Homosexualität und Adoption – und Angela Merkel
Eigentlich war ich immer zufrieden mit der Art, wie Angela Merkel uns als Bundeskanzlerin vertritt. Und bin es auch noch. Weltmännisch (oder -fraulisch), abgeklärt und sympathisch. Auch wenn ich der Politik der CDU / CSU gerade in Zeiten der “Wirtschaftskrise” immer weniger zustimmen kann, fand ich sie doch immer charismatisch.
Umso enttäuschender ist ihr erneutes Statement gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. “Für Angela Merkel und die Union stehen die christlichen Werte jedoch vor den wissenschaftlichen Erkenntnissen.”, heißt es bei Pride1radio.
Es ist schwer zu beschreiben, wie sauer mich sowas macht. Ich finde es ungeheuerlich, dass jemand mit diesem Bildungshintergrund seinen Horizont freiwillig so beschränkt und sich so kleinkarriert und verbohrt gibt. Und ich beziehe mich dabei nicht nur auf die meiner Meinung nach völlig unangebrachte und überholte Omnipräsenz von Religion in unserem Staat und unserer Gesellschaft.
Für mich ist es unvorstellbar, dass die (mehr oder weniger) gewählte Spitze unserer Regierung in aller Öffentlichkeit ein Statement PRO INTOLERANZ abgibt. Denn nichts Anderes ist das. Es schürt Vorurteile. Auch wenn das die Union natürlich wehement bestreiten würde.
Solange die Politik nicht mit gutem Beispiel vorangeht, wird es auch in der Gesellschaft keine Gleichberechtigung geben. Das erinnert an Zustände im Sozialismus. Alle sind gleich, nur einige sind gleicher. Auch wenn in dem Fall das Zahlenverhältnis von den “Gleicheren” zu den “nur Gleichen” umgekehrt ist.
Wann wird unsere Gesellschaft endlich erwachsen genug, um sich an solchen Kleinigkeiten wie unterschiedliche(s) Herkunft, Hautfarbe, Aussehen, oder sexuelle Orientierung nicht mehr aufzuhängen? Warum schaffen wir es nicht, davon wegzukommen?
Leider kann ich das Frau Merkel nicht ins Gesicht sagen, aber bitte, die Zeit für einen Wandel ist gekommen. Konservativismus muss aufhören! Und das beziehe ich genauso auf das Festhalten an 2000 Jahre alten Werten und Traditionen, nur weil sie in einem Buch stehen.
Bitte nicht missverstehen, jeder soll seine Religion leben wie er will. Aber es hört da auf, wo es andere Menschen in ihrem Leben und ihren freiheitlichen Grundrechten einschränkt. Und das zeigt Frau Merkel mit solchen Aussagen eindrucksvoll. Zwar ist die Adoption kein Grundrecht (oder?), aber durch solches Verhalten schürt sie und auch Andere Intoleranz und Vorurteil in der Gesellschaft.
Auch wenn Frau Merkels Vorbildfunktion außerordentlich ist, was die Relevanz ihrer Aussagen noch mehr gewichtet, bezieht sich mein Missmut natürlich auch auf jeden anderen gebildeten Menschen, der auf Grund von Überzeugung, Religion, Tradition oder was auch immer meint, auf Kosten der freien Entfaltung anderer Handeln und Sprechen zu müssen.
Eine Schande, weiter nichts.
Zum Abschluss noch einmal Keith Olberman, wenn auch zu einem anderen Thema, bringt er den Kern der Sache auf den Punkt.


Kommentar von Peter — 5. September 2009 at 07:30
Nun, am 27.9.09 hat jeder “mündige” Bürger die “Wahl” daran etwas zu ändern.
Wenn bloß immer “mehr” Wähler nicht! zur Wahl gehen, dann kann hier auch nichts passieren.
Dann bleiben die Leute an der Macht, so oder so. Und ich kenne keinen Politiker der nicht an seinem
Stuhl klebt und alle “Versprechen” aus sitzt…
Vielleicht sollte man selber in eine Partei eintreten, denn sonst kann man selbst auch nicht aktiv
die Politik ändern. Die HSP kann man ja “leider” ;) nicht wählen.
Ich bin gespannt wie viele Leute diesmal in mein Wahllokal kommen werden. Bisher sind es immer
weniger geworden.
Warum wir davon nicht wegkommen? Solange die Rentner die Macht haben, wenn man das Durchschnittsalter
der Politiker nimmt, dann wird sich auch nichts ändern. Denn die denken immer noch in ihren
alten Glauben von Sitte und Ordnung.
Also, wählen gehen! In eine Partei eintreten oder gründen…
cu
Kommentar von Max1 — 5. September 2009 at 13:31
Hey Peter :)
Da hast Du allerdings sehr Recht. Wenn man Dinge hört von 51% Wahlbeteiligung in Thüringen war es glaube ich, ist das schon erschreckend. Und junge Leute in der Politik gibt es auch viel zu selten. Man meint gerade, dass wären noch die Nachwirkungen des Krieges, denn damals war das Parlament ja noch viel älter, denn die meisten jungen waren gefallen.
Ich versteh’ die Leute nicht, die nicht wählen. Ich rege mich viel zu sehr über Politik auf, um nicht wählen zu gehen. ;-)
Kommentar von Peter — 5. September 2009 at 18:33
>>Ich versteh’ die Leute nicht, die nicht wählen. Ich rege mich viel zu sehr über Politik auf, um nicht wählen zu gehen. ;-)<<
Und da liegt eben das Problem. Die meisten "Menschen" in Deutschland interessieren sich nicht mehr für
Politik. Und daher können die Politiker machen was sie wollen. Denn selbst in ihren eigenen Parteien haben
die meisten "führenden" Politiker keinen "Gegenwind" mehr.
Die SPD zum Beispiel kämpft massiv gegen den Schwund ihrer Parteigenossen. Denn immer mehr treten aus
den Parteien aus. Junge Leute wollen sich nicht mit Politik herumschlagen, sondern eher mit Party und
"Rauchen" ;)
Wenn man sich nicht mit der Politik beschäftigt, sieht man auch keinen Grund zur Wahl zu gehen =
"Es ändert sich doch nichts…" Und das ist leider der größte Fehler. So kommen auch Parteien über die
5% Hürde, die man nicht dort sehen will. Siehe letztes Wahlwochenende und die NPD!
Also, nicht wählen zu gehen ist eher der falsche Schritt. Eher den "gewählten" Vertreter deines Kreises
mit Briefen, Mails und so weiter nerven. Selber aktiv werden, oder in eine Partei eintreten.
Wie geschrieben, leider interessiert dass die jungen Leute nicht mehr und so werden die Wahlen bald
gefährliche Zahlen haben, was die Beteiligung angeht.
Und was dann kommt? Neue DDR? Die Wahl steht vorher schon fest… :D
Kommentar von Max1 — 5. September 2009 at 18:54
Ganz genau. Ich trete sicher auch mal in eine Partei ein, oder gründe eine. Denn das was im Moment passiert, kann man nicht mehr mit ansehen. Da bekommen Politiker, die vor einigen Legislaturperioden noch wegen einer Spendenaffäre zurücktreten mussten (Hallo, Herr Schäuble), in der aktuellen Regierung schon wieder einen Ministerposten. Ehemalige Stasi-Mitarbeiter (Hallo, Herr Gysi) auch wieder Ämter bekleiden dürfen.
Die Deutsche Bank spendet 100.000 Euro an diverse Parteien, und wird dann mit Milliarden gerettet. Nicht, das ich gegen das grundsätzliche Vorgehen in der “Wirtschaftskrise”, mit Staatshilfen etc. bin, aber im Detail und auch generell finde ich es momentan eindeutig zu viel.
Politiker vergeben Aufträge an die Wirtschaft und an Unternehmen, wo sie selbst Aufsichtsratsmitglieder sind. Und nach ihrer politischen Karriere steigen sie in solche Unternehmen komplett ein…. (Hallo, Herr Schröder).
Ich finde es ein Armutszeugnis.